Editorial

Kirche, die den Menschen dient

«Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.» So überschrieb Jacques Gaillot sein Buch über seine Erfahrungen als Bischof. Der Satz bleibt hängen, weil er nicht zuerst nach Strukturen fragt, sondern nach dem, was Kirche im Innersten ausmacht.

Kirche ist mehr als ein Bischof, mehr als ein Pfarramt, mehr als Gebäude und Pläne. Kirche sind Menschen. Menschen, die im Alltag nach dem Evangelium leben. Sie hören zu, besuchen, tragen mit, beten, organisieren, trösten, helfen und begleiten. Vieles geschieht im Kleinen. Oft ohne grosses Aufsehen. Manchmal fast unbemerkt. Und dort wächst lebendige Kirche.

Dienst ist nicht einfach eine freundliche Zusatzleistung. Er ist gelebtes Evangelium. Wer sich einem Menschen zuwendet, wer Zeit schenkt, wer nicht zuerst fragt, was es bringt, macht etwas von Christus sichtbar.

Von Zeit zu Zeit tut es gut, innezuhalten. Nicht, um sich selber auf die Schulter zu klopfen, sondern um neu zu sehen, was längst da ist. Es tut gut, nach links und rechts zu schauen und zu merken: Ich bin nicht allein unterwegs. Andere tragen mit. Andere suchen auch. Gemeinsam mit Anderen gebe ich dem Evangelium im Alltag Hände und Füsse.

So entsteht Kirche nicht über den Köpfen der Menschen hinweg. Sie wächst mitten unter ihnen. In Häusern und Spitälern, an Küchentischen, auf Friedhöfen, in Gesprächen zwischen Tür und Angel. Dort, wo Menschen einander nicht gleichgültig sind.

Bischof Felix weiss um dieses Engagement im Bistum Basel. Ihm ist wichtig, dass jene, die dienen, sich nicht allein fühlen. Sie sollen spüren dürfen: Dieser Dienst gehört zum Herzschlag der Kirche.

Vielleicht ist genau das eine Einladung für uns alle: den eigenen Dienst als Teil eines grösseren Weges zu sehen. Wir gemeinsam sind Kirche. Wir folgen Christus nach. Jede und jeder auf eigene Weise. Gerade darin wird sichtbar, wozu Kirche da ist.

Michael Jablonowski

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