Editorial

Glaube nach der Erfahrung des Zweifels – Thomas und wir

Es gibt Momente im Leben, da steht man einfach da – und kann es nicht glauben. Eine gute Nachricht, die zu schön ist, um wahr zu sein. «Das kann nicht sein», denkt man dann.

Genau so erging es Thomas. Die anderen Jünger erzählen ihm voller Freude: «Wir haben den Herrn gesehen!» Doch Thomas kann es nicht fassen. Er war nicht dabei. Und so sagt er jenen Satz, der ihm den Namen «ungläubiger Thomas» eingetragen hat: «Wenn ich nicht die Male der Nägel sehe und meinen Finger hineinlege, glaube ich nicht.»

Man hat Thomas oft missverstanden. Vielleicht wollte er keinen frommen Schein aufrechterhalten, wo in ihm noch alles leer war.

Und Jesus? Er schimpft nicht mit Thomas. Er kommt genau dorthin, wo Thomas steht – mit seinen Fragen. «Komm her, Thomas», sagt Jesus, «sieh meine Hände an.» Er scheut die Berührung nicht.

Das ist die gute Botschaft für uns: Unser Glaube muss nicht perfekt sein. Er darf Zweifel haben. Er darf Fragen stellen. Gott scheut sich nicht vor unserem Unglauben – er kommt uns darin entgegen.

Thomas braucht die Begegnung. Erst als er Jesus spürt, bricht es aus ihm heraus: «Mein Herr und mein Gott!» Ein lautes Bekenntnis aus tiefstem Herzen.

Und Jesus sagt: «Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.» Das sind wir. Wir, die wir Jesus nicht mit unseren Händen berühren können. Aber wir sind nicht allein gelassen. Wir haben die Gemeinschaft der Glaubenden, die Sakramente, das Wort. Immer wieder dürfen wir erfahren: Jesus kommt zu uns – auch durch unsere Zweifel hindurch.

Darum: Haben Sie Mut zum Zweifel. Gehen Sie mit Ihren Fragen zu Gott. Und vielleicht werden auch Sie eines Tages aus tiefstem Herzen sagen können: «Mein Herr und mein Gott!»

Pater Martin Kelechi Igboko, SMMM

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