Editorial

Wenn es stiller wird

Der Herbst kommt oft leise. Am Morgen liegt Nebel über den Wiesen, die Luft wird kühler und die ersten Blätter verfärben sich. Für einen Moment scheint alles stillzustehen. Erst nach und nach werden Bäume, Wege und Häuser wieder sichtbar.

Im Alltag ist es oft anders. Termine, Verpflichtungen und Nachrichten bestimmen unseren Tag. Da bleibt wenig Zeit, einfach einmal stehen zu bleiben. Dabei braucht es manchmal gar nicht viel: ein gutes Gespräch, einen Spaziergang, eine Kerze in der Kirche oder ein stilles Gebet.

Auch in der Bibel begegnet uns Gott nicht immer im Lauten und Spektakulären. Der Prophet Elija erfährt Gottes Nähe nicht im Sturm und nicht im Erdbeben, sondern in einem leisen, sanften Säuseln (1Kön 19,12). Gerade in der Stille nimmt er wahr, dass Gott da ist.

Der Herbst lädt uns dazu ein, wieder aufmerksamer für solche stillen Momente zu werden. Wenn die Tage kürzer werden und die Natur langsam zur Ruhe kommt, können auch wir uns Zeit nehmen, genauer hinzuhören: auf uns selbst, auf die Menschen um uns herum und vielleicht auch auf Gott. Nicht alles braucht sofort eine Antwort. Manches braucht einfach Zeit und Raum.

Unsere Kirchen können solche Orte sein. Orte, an denen Menschen danken, fragen, hoffen, beten oder einfach für einen Moment zur Ruhe kommen können.

So möchte ich Sie einladen, sich in den kommenden Wochen immer wieder eine kleine Pause zu gönnen. Ein paar Minuten, in denen nichts erledigt werden muss. Zeit, um still zu werden, durchzuatmen und wahrzunehmen, was im Alltag leicht untergeht.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Herbst und immer wieder Momente, in denen Herz und Seele zur Ruhe kommen.

Jaime Armas

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