Editorial

Alle Heiligen

«An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen rund um den Mutschellen.» So oder ähnlich würde wohl der Apostel Paulus dieses Editorial beginnen. Denn mit diesen Worten wandte er sich an die ersten christlichen Gemeinden. Dass er die Gläubigen dabei ganz selbstverständlich als Heilige bezeichnete, mag uns heute etwas merkwürdig erscheinen. Schliesslich denken wir bei Heiligen eher an Menschen, die durch ihren besonderen Glauben und ihr vorbildliches Leben herausragen.

Dabei wusste Paulus sehr wohl, dass auch die Gläubigen seiner Zeit ihre Fehler und Schwächen hatten. In seinen Briefen ist schliesslich auch von Streit und Eifersucht in den Gemeinden die Rede.

Trotzdem nennt er sie Heilige. Denn für Paulus beginnt Heiligkeit nicht beim Menschen und seinen Leistungen, sondern bei Gott. Durch die Taufe gehören wir zu Christus und sind berufen, aus dieser Verbundenheit zu leben. Heiligkeit ist deshalb zunächst ein Geschenk und zugleich eine Aufgabe. Sie ist etwas, das Gott uns zusagt und das in unserem Leben Gestalt annehmen darf.

Genau daran erinnert uns das Fest Allerheiligen. Wir feiern die Menschen, die ihr Ziel bei Gott erreicht haben. Die bekannten Heiligen, deren Namen wir kennen, aber auch die unzähligen Menschen, die im Stillen ihren Glauben gelebt haben. Sie zeigen uns, was aus einem Leben werden kann, das sich für Gottes Liebe öffnet.
Darin liegt auch unsere eigene Hoffnung. Denn die Heiligen sind keine Menschen einer anderen Art. Sie sind Menschen wie wir, mit Fehlern, mit Ecken und Kanten. Was sie vollendet hat, ist letztlich Gottes Liebe und Barmherzigkeit.

Allerheiligen erinnert uns deshalb auch an unsere eigene Berufung. Wir sind bereits heute mit Christus verbunden und dürfen darauf vertrauen, dass diese Gemeinschaft über den Tod hinaus Bestand hat. Was Gott in uns begonnen hat, darf bei ihm zur Vollendung kommen.

So verbindet Allerheiligen Himmel und Erde, die Menschen, die uns vorausgegangen sind, und uns, die wir noch unterwegs sind. Gemeinsam sind wir Geliebte Gottes und berufene Heilige.

Michael Jablonowski

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