Wenn die Erde aufatmet
Der Spätsommer bringt spürbare Erleichterung. Nach wochenlanger Hitze und staubtrockenen Böden, die den Gärten, Feldern und Bauern zugesetzt haben, lässt der Druck langsam nach. Die Ernte war ein Kampf mit der Natur: Verbrannte Blätter, vertrocknete Früchte und karge Erträge führten uns schmerzlich vor Augen, wie verletzlich unsere tägliche Nahrungsgrundlage ist.
Wenn die heissen Tage nun weichen, stellt sich die Frage: Was lernen wir aus diesen extremen Wochen? Schon Jesus tadelte die Menschen, weil sie zwar das Abendrot deuten, aber die Zeichen der Zeit nicht verstehen konnten (vgl. Lk 12,54–56). Die Hitzewellen und die leidenden Ernten können wir als Zeichen unserer Zeit lesen. Sie rütteln uns wach und erinnern uns daran, dass wir nicht Herren der Erde, sondern Hüter seiner Schöpfung sind.
Der trockene Boden erinnert mich daran: Auch die Seele braucht eine Quelle. Der Psalmist gibt diesem Verlangen Worte: «Meine Seele dürstet nach Gott» (Ps 42,3). Vieles kann uns beschäftigen, unterhalten und für kurze Zeit erfüllen. Doch nicht alles nährt unser Innerstes. Jesus spricht am Jakobsbrunnen mit einer Frau über das «lebendige Wasser». Damit meint er Gottes Gegenwart, die uns von innen her verwandelt. Wer aus dieser Quelle lebt, bleibt nicht von Leid verschont; aber er findet eine Hoffnung, die selbst in Zeiten der Dürre nicht versiegt.
Schöpfungsverantwortung ist ein urchristlicher Auftrag. Nutzen wir das Aufatmen dieser Tage für einen Moment der Dankbarkeit. Wer die Zeichen der Zeit erkennt, sieht nicht nur die Ernte – er sieht auch die Hand, die sie schenkt. Und er lernt, dankbar zu sein für jeden Tropfen.
Pater Martin Kelechi Igboko, SMMM
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